Der intentionale Aspekt wird als der strukturierende
Aspekt in der Situation verstanden. Intentionen wirken sich im wörtlich
übersetzten Sinn als Absichten derer, die in der Situation kommunizieren,
strukturierend (bezogen auf, hinführend zu etwas = intentional) aus.
Jegliches Handeln kann man als ein intentionales, da zielgerichtetes und zielstrebiges Handeln bezeichnen.
Deshalb ist die sorgfältige
Beobachtung der Handlung "Kommunikation" als Trägerin und Konstrukteurin von
Intentionalität in der beraterischen Arbeit mit dem intentionalen Aspekt der Situation
wichtig.
"In dem Wort mit-ein-ander-sprechen steckt bereits der ganze Prozeß,
um den es hier geht. Nämlich: "einer" und "ein anderer" "sprechen"
"mit". Dabei ist vorausgesetzt: beide können sprechen und hören;
weiter: sie sprechen "nacheinander" und "zueinander"; schließlich:
es werden keine Einzelerklärungen aneinandergekettet, sondern die
Einzeläußerungen beziehen sich aufeinander wie Frage und Antwort
oder als Frage und Antwort. Wenn der eine spricht, hört der andere;
wenn dieser antwortet, hört der erste. Und aus der Wechselbeziehung
entsteht zwischen den Partnern etwas, was keiner der beiden hätte
allein sagen können." (Hellmut Geißner in "Reden und reden lassen",
Stuttgart, 1975).
Die Beobachtung von Kommunikationsprozessen und insbesondere der rhetorischen
Kommunikation, die sich in der Situation entfaltet, gewährt Einsichten
in die unvermeidliche und wirkungsvolle Interdependenz zwischen Sprechenden
und Hörenden. Auch der unvermeidliche Doppelbezug (Sach- und Personbezug)
in jeder Sprechsituation kann in seinem Mäandern zwischen beiden Aspekten
oder seinem Tendieren zu stärkerem Sach- oder Personenbezug als strukturbildender
bzw. Intentionalität aufzeigender Prozeß beobachtet werden.
Christiane Schmidt, Supervisorin (SD), Trainerin (SD)