Modell der Situation
Einführung und Überblick
 
  Zur Geschichte der Situationsdynamik  
  Zeitgeist der 68er - Situationsdynamik im Wandel  
  "Gemeinsam erschaffen wir die Welt"  
   

Das Modell der Situation

Als Situationsdynamik bezeichnet man zusammenfassend die Hintergrundtheorie hinter den angewandten beraterischen Arbeitsformen der Situationsdynamik. Das hier dargestellte Modell von "Situation" dient zum einen als strukturierende Grundlage für theoretische Ansätze, mit denen Situationsdynamiker arbeiten. Zum anderen ermöglicht dieses Modell ein strukturiertes und zugleich bewegliches praktisches Arbeiten in der jeweiligen Situation. 
 

Der "Ich" Aspekt der SituationDer "Sach" Aspekt der SituationDer "intentionale" Aspekt der SituationDer "Wir" Aspekt der SituationSituation  

Einführung und Überblick

Dieses Situationsmodell entstand im Verlauf der kritischen End-60er- und 70er-Jahre durch die Arbeit mehrerer Vorläufergruppen, in denen sich Sozialwissenschaftler, Pädagogen, Psychotherapeuten, Psychologen und Organisationsberater auf selbstorganisierende Gruppenprozesse einließen.

Damit begann eine experimentierende Praxis, in der die Idee der "Selbstorganisation sozialer Systeme" als die Alternative zu vertrauten hierarchischen Organisationsformen in jahrelangen Prozessen praktisch und theoretisch sehr gründlich erprobt wurde.

Es ist charakteristisch für die Zeit dieser Vorläufergruppen, daß sie in alltäglich fortgesetzten kritisch lernenden und lehrenden Suchbewegungen lebten und daß sich diese Suchbewegungen auf alle alltäglichen Lebenswelten erstreckten. Das bedeutete einen weitgespannten Bogen von den beruflichen über die sogenannten "privaten" bis hin zu den fort- und weiterbildenden, kulturellen und politischen Lebensbereichen.

Grundlage ihrer immer auch handlungstheoretisch geprägten Suchbewegungen waren damals wie heute die vielfältigen traditionellen und aktuellen sozialwissenschaftlichen Theorien mit ihren methodischen Ansätzen. 

So könnte man in Kürze die Basis beschreiben, die immer wieder zur Grundlage kritischer Fortsetzung eigener Lernprozesse wurde. Das führte unter anderem dazu, daß bereits die Mitglieder der Vorläufergruppen mit größerer Beweglichkeit und Wirkung auf gesellschafts- und bildungspolitische Kontroversen ihrer Zeit reagieren konnten - Kontroversen, mit denen sie auch in ihrem jeweiligen Alltag konfrontiert waren. 

Allerdings brachte die wachsende Öffentlichkeit dieser Arbeit zwangsläufig auch eine Annäherung und Anpassung an institutionalisierte Organisationsformen mit sich, die nicht von allen Vorläufergruppen akzeptiert werden konnte. So trennten sich einige der Wegbereiter von denjenigen, die 1985 die DGSD e.V. (Deutsche Gesellschaft für Situationsdynamik e.V.) gründeten, um einer breiteren Öffentlichkeit das Arbeiten mit der Idee von Situationsdynamik zugänglich zu machen. 

(s. hierzu auch den Text "Zur Geschichte der Situationsdynamik")
 

Bereits diese wenigen einleitenden Sätze machen deutlich, daß die Beschreibung von Situationsdynamik nur unter Zuhilfenahme mehrerer Betrachtungsebenen möglich ist.

Es geht in den folgenden weiterhin einleitenden Aufsätzen zur "Situation" und in den vertiefenden Aufsätzen zu den vier Aspekten der Situation immer wieder um Situationsdynamik als Hintergrundtheorie ("Denk-Idee") und als praktikables Arbeitsinstrument ("Handlungs-Idee") mit vielfältigen handlungstheoretischen Ansätzen. Situationsdynamik ist, wie der Name schon sagt, immer auch als Kind ihrer Zeit zu verstehen. Das heißt: Die Geschichte, historisch und lebensgeschichtlich, politisch und (inter-)kulturell wird in den Texten immer wieder als prägende Konstante der Situationsdynamik-Arbeit auftauchen.

Deshalb seien Sie als LeserIn herzlich eingeladen, zunächst einmal lesend die Idee der "Situationsdynamik" mit zu entschlüsseln und vielleicht auch als Denk- und Handlungsalternative für das eigene Leben zu entdecken.

Die Aufsätze zur Situation in der Situationsdynamik und zu den vier Aspekten des Situationsmodells sind so aufgebaut, daß sie nacheinander wie die Kapitel eines Buch gelesen werden können. Vielleicht gestaltet sich das Lesen aber vergnüglicher und abwechslungsreicher, wenn Sie bei den Aufsätzen beginnen, die Sie im Moment stärker interessieren oder wenn Sie sich anhand der Verweise (jeweils im Verlauf oder am Ende eines Textes) orientieren. 
 
 
 

Christiane Schmidt, Supervisorin (SD), Trainerin (SD)